Summer School 2024: Friedrich Kittlers Theorie und Geschichte der Medien

Summer School 2024: Friedrich Kittlers Theorie und Geschichte der Medien

Die Summer School ist ein Angebot der Friedrich-Kittler-Gesellschaft in Kooperation mit der Juniorprofessur für digitale Medien und Computation am Fachbereich Medienwissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin. Sie bildet den Auftakt einer Veranstaltungsreihe, in der Nachwuchswissenschaftler:innen, Wissenschaftler:innen und Herausgeber:innen der Friedrich Kittler Werkausgabe an Kittlers wissenschaftliche Arbeit anschließen, sie fortführen und erweitern.

Den zwei Teilen seiner Habilitation Aufschreibesysteme 1800 · 1900 (1985) stellte Friedrich Kittler mathematische Formeln voran. Das Aufschreibesystem 1800 folgt Leonhard Eulers Zahl e, während 1900 unter dem Regime von Bernard Bolzanos unendlich oszillierender Reihe zwischen zwei einander negierenden Funktionswerten steht. Deutschsprachige Literatur ist nicht nur mit der Mathematik ihrer Zeit verknüpft, sondern untersteht zugleich »technischen Voraussetzungen«. Diese werden für das Aufschreibesystem 1900 als »serielle Daten« verarbeitende technische Medien herausgestellt, zu denen E-Literatur in eifersüchtige Konkurrenz tritt, während U-Literatur sich ihnen anpasst: Grammophon, Stummfilm, Schreibmaschine.

In den frühen 1980er Jahren versuchte Kittler »einen neuen Materialismus« in die Literaturwissenschaft einzuführen. Foucaults Geschichte der Macht, Derridas Grammatologie und Lacans Rückkehr zu Freud sollten als eine Geschichte der Techniken ausgewiesen werden, die Philosophie als abhängige Variable der Literatur herausstellt und Literatur wiederum als abhängige Variable von Technik. Kittlers Materialismus war informiert von seinem zeitgleich entstehenden Selbstbau-Audiocomputer. Ab Mitte der 1970er Jahre bis etwa 1990 baute Kittler zahlreiche Synthesizerschaltungen, die heute in fünf fertig aufgebauten Kuben im Literaturmuseum der Moderne und im Deutschen Literaturarchiv in Marbach stehen. Ein sechster unvollendeter Kubus befindet sich zu Teilen im Medienarchäologischen Fundus der HU Berlin und im Herausgeberbestand. An den Schaltungen lässt sich ablesen, dass maßgebliche Teile in der Zeit von 1980 bis 1983 entstanden.

Genau diese Phase des Zusammenstands von Kittlers Literaturwissenschaft und technischer Bricolage wird anhand von Inedita vorgestellt, die im Rahmen der im Merve-Verlag erscheinenden Werkausgabe veröffentlicht werden. Die Summer School eröffnet die Möglichkeit, Einsicht in umfangreiche Materialien, Archivalien sowie wissenschafts- und institutionenhistorische Kontexte zu erhalten und mit Expert:innen zu diskutieren.

Teilnehmen können fortgeschrittene Master- und Promotionsstudent:innen aller kultur- und geisteswissenschaftlichen Fachrichtungen. Die Veranstalter bitten um ein Motivationsschreiben und eine Kurzvorstellung eines eigenen Forschungsprojekts oder -interesses (je max. eine A4-Seite per E-Mail an sebastian.doering@hu-berlin.de). Die Kosten für die dreieinhalbtägige Summer School tragen die Friedrich-Kittler-Gesellschaft und die Juniorprofessur für digitale Medien und Computation. Die Kosten für Anreise, Unterkunft und Verpflegung tragen die Teilnehmer:innen selbst. Auf Anfrage kann nach Verfügbarkeit eine Übernachtung im Gästehaus der HU vermittelt werden (~50€/Übernachtung).

Termine
9.-12. September 2024
Humboldt-Universität zu Berlin, Fachbereich Medienwissenschaft, Georgenstraße 47, 10117 Berlin
Am 9. September findet ein Abendvortrag von Prof. Dr. Klaus Theweleit statt.
Am 12. September findet ein Abschlusskonzert von Jan-Peter E.R. Sonntag statt.
Anmeldeschluss: 31. August 2024 Anmeldung formlos per E-Mail mit Motivationsschreiben und Vorstellung eines eigenen Forschungsprojekts oder -interesses (jeweils max. eine A4-Seite) an sebastian.doering@hu-berlin.de.
Informationen zum Ablauf per Zoom am 6. September 2024 um 12 Uhr.

Kontakt:
Friedrich-Kittler-Gesellschaft
c/o Humboldt-Universität zu Berlin
Summer School ‚Friedrich Kittlers Theorie und Geschichte der Medien‘
Unter den Linden 6
10099 Berlin
E-Mail: sebastian.doering@hu-berlin.de

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